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Wege zum Spiel

Wege zum Spiel

Werner Ruhnau (1922 – 2015)

Architekt und Stadtplaner

Werner Ruhnau (1922 – 2015)

Architekt und Stadtplaner

Künstler auf der Spielstraße

Das partizipative Happening der Spielstraße wurde von Werner Ruhnau als Intendant und künstlerischem Leiter geplant und kuratiert. Eine Vielzahl von Künstlerinnen und Künstlern war daran beteiligt, seine Ideen lebendig werden zu lassen. Die Besucher konnten aus einem abwechslungsreichen Angebot aus szenischen, bildnerischen, Klang- und kulinarischen Darbietungen ihr eigenes Programm zusammenstellen. Die einzige thematische Vorgabe für die Theatergruppen war die Auseinandersetzung mit den historischen und zukünftigen olympischen Spielen. Jérôme Savary aus Frankreich vollzog beispielsweise mit seinem „Le Grand Magic Circus“ eine Prozession auf der Spielstraße und setze sich dabei mit Pierre de Coubertin, dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, auseinander. Mario Ricci aus Italien inszenierte ein Spiel zu den Olympischen Spielen in Los Angeles 1932, Tenjo Sajiki aus Japan machte mit seiner Gruppe Terayama auf das Massaker im Vorfeld der Spiele in Mexico City 1968 aufmerksam. Als bildende Künstler waren unter vielen anderen Timm Ulrichs mit seinem „Hamsterrad“, Ben Votier mit seiner Arbeit „Li(f)e is a competition“, Roy Adzak mit seiner Säule „Friedenstauben“ und auch Frank Falch mit seinen „Hinkelsteinen“ beteiligt. Weitere Künstlerinnen und Künstler waren Anatol, Toni Burckhardt und Renate Göbel. Zahlreiche Arbeiten und Aktionen waren interaktiv angelegt und forderten die Besucher auf, sich aktiv an den „Spielen“ zu beteiligen.

Olympische Spielstraße anlässlich der Olympischen Spiele, München (1972)

Ruhnaus Planung der „Olympischen Spielstraße“ als Teil des Kulturprogramms der Olympischen Spiele 1972 in München folgte den Entwürfen seines „Mobiltheaters“ als variable Versammlungsstätte. Das Konzept der Spielstraße sollte Zonen für freie, lebendige Kommunikation zwischen Bewohnern, Besuchern, Künstlern und weiteren Akteuren ermöglichen.

Anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972 entwickelt, wies Ruhnaus Idee weit über diese hinaus.  Im Gegensatz zu den sportlichen Spielen sollten die Besucher hier verschiedene Spielformen gleichzeitig erleben und dabei mit den Spielern in einen Dialog treten und selbst teilnehmen können. Sie sollten sogar in das Geschehen eingreifen, wenn sie von den Akteuren dazu aufgefordert wurden. Die Besucher erhielten dazu ein Programmheft mit exakt beschriebenen Spielregeln.

Ruhnau übernahm neben seiner Rolle als Architekt auch die Rolle des Intendanten, Regisseurs, Entwicklers von Programm und Konzepten sowie des künstlerischen Leiters. Im Gegensatz zu den von ihm realisierten Spielräumen der Theater war die Spielstraße lediglich als temporäre Einrichtung für die Dauer der Olympischen Spiele gedacht.

Rund um den Olympiasee wurde eine Architektur aus kleinen variablen Aktionsfeldern angelegt. Ihre zentralen Elemente waren ein nach griechischem Vorbild gestaltetes Theatron, eine Budenhalbinsel, eine Medienstraße und ein Multivisionszentrum. Das Programm umfasste u.a. die Sparten Theater und Performance, bildende Kunst, Musik, Materialspiele, Film-, Dia-, Licht-, Klanginstallationen und bezog Alltagskulturen gleichrangig ein. Rund 500 Personen inklusive der Techniker gestalteten das Programm, das bis zu 30.000 Besucher täglich anlockte.

Die Künstler griffen den Leistungsgedanken und das Doping sowie die Kommerzialisierung der benachbart stattfinden Sportspiele durchaus kritisch auf. Im Multivisionszentrum wurde nachts gesendet, was tagsüber auf der Spielstraße geschah, durchmischt mit vorbereiteten Programm- und Livesendungen der Fernsehanstalten. Ruhnaus Spielstraße strebte an, die Trennung zwischen Sportlern, Künstlern und Besuchern aufzuheben.

Zunächst von spielerischem Festcharakter geprägt, wurde das Programm nach dem Attentat vom 5. September 1972 jäh gestoppt.

Künstler und ihre Werke

Die Kunst im Verwaltungsgebäude der Herta KG ist kein künstlerisches Extra, sondern gehört laut Werner Ruhnau fest zum Raum, zur klimatisierten Bürolandschaft. Die meisten Künstler waren von Baubeginn an dabei. Im Außenbereich über dem Haupteingang befinden sich eine große rote Scheibe von Rupprecht Geiger, der auch die gesamte Farbgestaltung im Innern in Form eines Wegeleitsystem übernahm, sowie Betonreliefs von Günter Weseler.

Der historische Metzgerladen des Unternehmens, der sich in der Altstadt Hertens befunden hatte, wurde im Sozialbereich des Gebäudes wiederaufgebaut.

Im Pausenbereich fanden sich zahlreiche Objekte: Unter anderem das „Atemobjekt“ von Günter Weseler und der „Geburtstagstisch“ von Heinrich Brummack. Der „Wasserwald“ von Norbert Kricke bereicherte die Cafeteria.

In den 1970er-Jahren kamen Hugo Kükelhaus‘ Objekte zur Körpererfahrung und Wolf Vostells „Metzgerlimousine“ dazu. Der im Treppenbereich des Pausenraums situierte alte Cadillac mit eingebauten Monitoren übertrug Liveszenen aus den Produktionsbereichen der Zerlege-, Kühl- und Verpackungsabteilung.

Auch fand temporär ein „Dinner-Theater“ im Sozialgebäude statt. Während der Mittagspause kam es zu darstellendem Spiel mitten unter den Speisenden. Ruhnau hatte dafür die „Kipper Kids“ und andere Theatergruppen gewinnen können, mit denen er bereits im Rahmen der Spielstraße anlässlich der Olympiade 1972 in München zusammengearbeitet hatte.

Theater der Altmark in Stendal (1995)

Im Jahr 1995 wurde das von Werner Ruhnau umgebaute und generalsanierte Theater der Altmark in Stendal wiedereröffnet. Während der 1992 begonnenen Umbauzeit konnte das ehemalige „Haus der sowjetischen Offiziere“ in der Moltkestraße als Interimsspielstätte mit zwei Bühnen in einem Großen und einem Kleinen Haus genutzt werden.

Ruhnau realisierte für den neuen Theaterraum in der Stendaler Innenstadt eine Variante seiner Podienklaviere in Form von Reihenpodien mit Scherenhubtischen, die eine variable Nutzung des Spielraums ermöglichen.

Auch in Stendal wurden bildende Künstler, u. a. VA Wölfl und Leonardo Mosso, während der Bauphase in die Planungen integriert. Die Idee der „Geschichtsfenster“ animierte alle am Bau  Beteiligten und stellte den Rahmen, in dem jeder seinen Beitrag leistete. Der Schlosser mit den „Stendaler Balkonen“, der Maler bei der Restauration der grünen Farbschichten im Treppenhaus, der Betonbauer, dessen Arbeitsergebnisse nicht verputzt wurden, sondern sichtbar blieben. Bei dieser Form des Zusammenwirkens erscheinen die Kunstwerke und die Gewerke nicht mehr isoliert, sondern in das Gesamtgefüge integriert. Mit Beginn der Spielzeit 1995/1996 kehrte das Theater in sein neu errichtetes Stammhaus in der Karlstraße zurück und hatte wieder drei bespielbare Bühnen zur Verfügung: Das Große Haus, das Kleine Haus und das Rangfoyer.

 

„Darstellende Spiele zielen auf das Zusammenwirken zwischen Besuchern und Spielern. Die neue Architektur des Theaters entstand auf den alten Fundamenten der Bauten.“

(Werner Ruhnau, Ausstellungskatalog Stendal 2010)

U-Bahn-Stationen in Essen und Mülheim

Zwischen den Jahren 1983 und 1985 und 1993 und 1996 gestaltete Werner Ruhnau  Verkehrsbauten in Essen und Mülheim.

Die Konzepte für die Stationen am Viehofer Platz in Essen und Mülheim-Stadtmitte entwickelte Ruhnau im partizipativen Sinne: Die direkte Nachbarschaft des U-Bahnhofs Viehofer Platz zum Deutschen Plakatmuseum inspirierte ihn zu Collagen aus damals aktuellen Plakaten. An die Wände des Bahnhofes wurden alten Viadukten ähnelnde gemauerte Bögen aufgebracht und die Collagen dort eingefügt.

In der Station Mülheim-Mitte wurden schematisierte Stadtsilhouetten auf die Wände gebracht, so dass die unter der Stadt vorbeifahrenden Menschen die sich oberhalb befindende Stadt perspektivisch und situativ neu erleben konnten.

Wohnhaus Piltz, Düsseldorf (1985)

Für den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Veba AG, Klaus Piltz, übernahm Werner Ruhnau im Jahr 1980 den Umbau seines Wohnhauses in Düsseldorf.

Ruhnau konnte für die Gestaltung die Künstler Adolf Luther und Horst Lerche gewinnen. Es gelang bei der Planung und Umsetzung ein Ineinandergreifen von Kunst, Architektur und Leben. Alle räumlich wichtigen Elemente wie beispielsweise die Form der Treppe und die Wandfarben wurden aufeinander abgestimmt. Besondere Ausformung erfuhren einige Wände durch Horst Lerche, der diese künstlerisch gestaltete und auf diese Weise fest installierte Kunstwerke schuf. Auch hier schuf Ruhnau ein Gesamtkunstwerk, eine weitere bemerkenswerte Symbiose von Kunst und Architektur.

Grillo-Theater, Essen (1990)

Das 1892 vom Essener Industriellen Friedrich Grillo gestiftete „Volkstheater“ wurde im Zweiten Weltkrieg in weiten Teilen zerstört und im Jahr 1950 in zeitgenössischer Form wiederaufgebaut.

Nachdem Mitte der 1980er Jahre eine Schließung diskutiert worden war, entschied sich der Rat der Stadt im Jahr 1987, das Mehrspartenhaus zum Schauspiel umzubauen. Der Umbau sah eine Lösung mit Bürgertreff, integriertem Restaurant und Ausstellungsraum vor, die aus Kostengründen nicht realisiert werden konnte. Die finale Planung sah schließlich ein Raumtheater, ein Studiotheater und ein als Kommunikationszentrum fungierendes Café vor.

Es entstand ein multifunktionaler Spielraum mit 400 Sitzplätzen, wie von Werner Ruhnau geschätzt: „Die szenische Qualität eines Raumes macht seinen Wert aus.“

Ruhnaus Idee des „Podienklaviers“, die er zum ersten Mal Ende der 1970er-Jahre im Schauspielhaus Frankfurt realisieren konnte, sollte auch für das Theater in Essen umgesetzt werden. Allerdings fand Ruhnau dort ein betoniertes Stufenparkett vor, so dass er seine Idee anpassen musste. Er setzte auf das Stufenparkett ein Podienklavier aus 2×1 m großen Tischen mit manuell höhenverstellbaren Beinen und schuf auf diesem Wege einen variablen Spielraum, der im Gegensatz zum vorherigen Stil des barocken Hoftheaters die traditionelle Trennung von Bühnen- und Zuschauerraum aufhob. Für die beiden seitlichen Foyers wurden die Essener Künstlerinnen Monika Günter und Doris Schöttler-Boll mit der Gestaltung der Wände betraut. Am 23. September 1990 wurde das neue Grillo-Theater als Raumtheater mit dem Stück „Ein Sommernachtstraum“ eröffnet.

Die Essener Stadtgesellschaft schätzt die „bunte Vielfalt“ der mittlerweile vier dort vertretenen Baustile der Neorenaissance, der 1940er und 50er Jahre und schließlich der 1980er Jahre.

Flachglas AG, Gelsenkirchen (1985)

Während der Bauzeit des heutigen Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen lernte Werner Ruhnau den Vorstand der Flachglas AG, Wolf von Reis, kennen. Die Flachglas AG war zu dieser Zeit Produzent der weltweit größten Glasscheiben, die auch beim Theaterneubau zum Einsatz gekommen waren.

Zu Beginn der 1980er-Jahre wurde Ruhnau eingeladen, die Empfangshalle des Verwaltungsgebäudes der Flachglas AG neu zu gestalten. Ruhnau schlug für die Neugestaltung die Integration des Künstlers Adolf Luther vor, da dieser sich in seinen Arbeiten intensiv mit Licht, in Materialität von Glas und Spiegeln, auseinandersetzte.

Ruhnau und Luther entwickelten gemeinsam für das Entree des Verwaltungsgebäudes die Objekte an Treppen und Wänden und im Raum. Es finden sich dort unterschiedliche Variationen von Glasobjekten, die mit dem Licht spielen. Auch wenn die Objekte, die aus Panzerglasscheiben mit Sprüngen und Rissen bestanden, zunächst Irritationen bei den auf Herstellungsperfektion geschulten Mitarbeitern auslösten, überzeugte doch ihre Wirkung. Für Luther bedeutete das Licht eine ungeheure Realität. Er ging von einer immateriellen Lichtwirklichkeit aus, die er in Polarität zur materiellen Welt sah. Luthers Werke veranschaulichen die Farbigkeit, Brechungen und Reflexionen des tages- und jahreszeitlich sowie witterungsbedingt unterschiedlichen Lichteinfalls und lassen das Licht spielerisch lebendig und physisch erlebbar werden.

Werkbundsiedlung Oberhausen (1986)

Bereits in den 1970er Jahren hatte Werner Ruhnau im Zuge der Landesausstellung des Kommunalverbands Ruhr (heute Regionalverband Ruhr) eine Werkbundsiedlung mit einem „Stadtmauergedanken“ für das Gelände der Zeche Carl in Essen entwickelt.

Nach der erfolgreichen Vorstellung des Projektes im Werkbund NRW fand Ruhnau in den Architekten Wolfgang Meisenheimer, Hanns Uelner, Mirko Schulz, Heinz Döhmen und Richard Bödecker engagierte Mitspieler. Aufgrund massiver Bodenbelastungen konnte das Projekt nicht in Essen-Altenessen, aber 1986 auf dem ehemaligen Zechengelände in Oberhausen-Alstaden realisiert werden.

Als „Mitspiel“- oder „Bauspiel“-Projekt entwickelte die Arbeitsgruppe aus Architekten, Gartenplanern, Handwerkern und zukünftigen Bewohnern der Siedlung „ein Städtebau-Beispiel […], mit dem Hauptziel, das Wohnen aus seiner individualistischen Vereinzelung zu holen – die Bewohner also ins Spiel mit dem Ort und der Gesellschaft zu bringen.“ Ziel der Werkbundsiedlung war es, die scheinbar gegensätzlichen Bereiche des privaten und öffentlichen Raums aufzuheben. Das verbindende Element des Konzeptes war die alte Zechenmauer, die es als Reminiszenz an die Historie des Ortes zu erhalten galt. Gleichzeitig bildete sie, so Ruhnau, „das architektonische Rückgrat der Anlage“. Neben ihrer Funktion als Erschließungsgang für die Dachgeschosse nahm sie im Erdgeschoss die Küchen und Bäder der Reihen-Einfamilienhäuser auf. Die Gartenseite wurde gemeinsam mit den Bewohnern in einem durch die Architekten festgesteckten Rahmen individuell entwickelt. Der Innenhof oder „Marktplatz“ als öffentlicher Bereich dient der täglichen Begegnung der Bewohner untereinander. Das enorme Interesse an der Werkbundsiedlung führte zu einer Mischung aus Eigentum, Miete und Genossenschaftsbesitz. So entstand beispielsweise ein Haus mit integriertem Turm auf der letzten Eckparzelle ohne die Beteiligung des Werkbundes oder der Fachleute. Nicht nur aufgrund der gemeinschaftlich nutzbaren Bereiche der „Stadtmauer“ und des „Marktplatzes“ wird der partizipative Planungsgedanke des Projektes sichtbar. Der Gemeinschaftssinn, welcher im Bauprozess gelebt wurde, zeigt sich auch in der gesamten städtebaulichen Konzeption.

Verwaltungsgebäude der Herta KG, Herten (1972)

Werner Ruhnau und Karl Ludwig Schweisfurth besaßen seit Anfang der 1950er Jahre eine enge Verbindung. Ruhnau hatte Schweisfurth Anfang der 1960er Jahre eine umfangreiche Kunstsammlung zusammengetragen und Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern hergestellt. Nachdem Karl Ludwig Schweisfurth die elterliche Fleischfabrik Herta KG übernommen hatte, kam es 1972 zur ersten baulichen Realisation mit Werner Ruhnau: Für das Firmenareal sollte ein kompletter Neubau eines Verwaltungskomplexes entstehen.

Der in diesen Jahren in Montréal in Kanada an der Universität lehrende Werner Ruhnau begann dort erste Entwürfe zu zeichnen und überzeugte schließlich seinen Freund Karl Ludwig mit seinem Entwurf: „Wenn wir eine tolle Architektur machen, brauchst du keine weitere Werbung“. Seine Planung umfasste den Verwaltungs- und Sozialbereich der Fleischfabrik, zudem übernahm er beim Bau der dahinter liegenden Fabrik die gestalterische Beratung.

Leitmotive des Projektes waren die „Integration von Kunst und Arbeit“ und die „Humanisierung der Arbeitswelt“. Das neue Herta-Verwaltungsgebäude umfasste circa 8.000 qm auf zwei Etagen. Es entstand eine reich gegliederte Arbeits- und Pausenlandschaft mit Werken von unterschiedlichen Künstlern, wobei die Kunst eine raumbildende und integrale Funktion in der Großraumbürolandschaft einnimmt. Günter Weseler, Rupprecht Geiger, Ferdinand Kriwet, Norbert Kricke, später Hugo Kükelhaus und Wolf Vostell, wurden u.a. einbezogen. Die Kunst wurde von der Belegschaft positiv aufgenommen und nicht als schmückendes Beiwerk, sondern vielmehr als Bestandteil der klimatisierten Bürolandschaft wahrgenommen. Lediglich das provokante Metzgerauto von Wolf Vostell, das im Pausenraum auf den Zusammenhang von Fleischverzehr und industriellen Töten hinwies, wurde kritisiert.

In der Fassade wechseln sich geschlossene Flächen mit verglasten Bereichen ab. Diese sind so angeordnet, dass sie den Mitarbeitern sowohl bei sitzender als auch bei stehender Tätigkeit einen guten Ausblick ermöglichen. Im Erdgeschoss befinden sich Bereiche für Besucher und Versorgungsräume, im oberen Stockwerk liegt ein Großraumbüro mit flexiblen Wandelementen, das durch zwei Gartenhöfe zusätzlich belichtet wird. Ruhnau entwickelte das damals innovative Konzept der „klimatisierten Arbeitslandschaft“ mit terrassierten Flächen und dem Verzicht auf lange, schmale Korridore. Die Atmosphäre im Gebäude sollte während des Arbeitstages Begegnungen und Kommunikation begünstigen. Die 350 Mitarbeiter sollten sich auch nach Feierabend hier treffen und Feste feiern; sie sollten in der Kantine essen, aber auch vor Ort einkaufen.

Aktuell gehört die Firma dem Unternehmen Nestlé, wodurch der Charakter des Objekts verändert wurde.  Auf dem Dach des Sozialgebäudes wurden technische Einrichtungen hinzugefügt und die zentrale Halle steht nahezu leer.

Landwirtschaftskammer NRW in Münster (1952)

Die erste große Bauaufgabe und Entwurfsverantwortung für Werner Ruhnau erfolgte im Jahr 1952 mit der Planung des Neubaus der Landwirtschaftskammer in Münster, wo Ruhnau kurz nach Abschluss seines Studiums als angestellter Architekt tätig war.

Das Basiskonzept für den Neubau stammte vom Architekten Walter Hämer, der die Kammer verlassen hatte. Ruhnau arbeitete die Plastizität des Gebäudes im Stil seines Lehrers an der Technischen Hochschule Karlsruhe, Otto Ernst Schweizer, heraus und war auch für den Innenausbau verantwortlich.

Der fünfgeschossige Verwaltungsbau wurde als erster moderner Verwaltungsbau Münsters auf einem L-förmigen Grundriss errichtet und befindet sich in zentraler Lage, in Richtung Altstadt und Promenade orientiert. Die vielachsige Fassade des Gebäudes ist leicht konvex gewölbt und nordwestlich in einem weiten Bogen geführt. Der kürzere Ostflügel ist im rechten Winkel angesetzt. Die Front zeichnet sich durch das hochrechteckige Raster des Stahlbetonskeletts aus, wobei das erste Obergeschoss höher ausgebildet ist als die übrigen Geschosse. Die Fenster sind über geziegelten Brüstungen eingelassen. Über dem vorkragenden Sims des dritten Obergeschosses ist ein zurückspringendes Staffelgeschoss mit einem ebenfalls auskragenden Dach.

Ruhnau arbeitete bei der Gestaltung des Treppenhauses und der Fenster mit dem bildenden Künstler Vincenz Pieper zusammen.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Podienklaviere

Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Innovationen gefordert, auch im Theaterbau. Verlangt wurde eine höhere Wandlungsfähigkeit des Bühnen- und Zuschauerraums, wodurch traditionelle Theaterformen abgelöst und moderne, neue Formen gefunden werden sollten.

1958/59 entwickelte Werner Ruhnau für Theaterbauten in Bonn und Düsseldorf ein komplett variables Rauminstrument, den Prototyp einer multifunktionalen Versammlungsstätte, das „Podienklavier“. Die Idee war eine technische Weiterentwicklung der von Hand stapelbaren Holzkisten-Elemente – der Praktikablen –, die Adolphe Appia 1911 für den Bühnenraum des Festspielhauses in Hellerau entworfen hatte. Appia hatte dadurch einen variablen Bühnenraum ohne Trennung von Bühne und Saal geschaffen.

Durch das von Werner Ruhnau entwickelte Podienklavier hoben sich die Grenzen zwischen Bühne und Saal, Zuschauer- und Bühnenraum auf, und es entstand ein multifunktionales Raumtheater mit unzähligen, frei bestimmbaren Bühnenvarianten. Dabei wurde eine beliebige Zuordnung zwischen Spiel- und Platzflächen durch das System von vertikal beweglichen Hubelementen erzielt. Vorgeschlagen und entwickelt wurden Podienklaviere als sechseckige Variante für Düsseldorf und Bonn, später wurden sie als rechteckige bzw. gebogene Varianten in zahlreichen Theatern in Deutschland realisiert.

Das Team

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Theater Münster (1956)

Das Münsteraner Theater war bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg im Kulturforum beheimatet und sollte gemäß Ratsbeschluss originalgetreu neoklassizistisch rekonstruiert werden. Infolge von Budgetproblemen, der lauten Gegenwehr von Bürgerinnen und Bürgern sowie vom Bund Deutscher Architekten wurde kurzfristig ein Architektur-Wettbewerb eröffnet.

Der Feuilletonchef der Westfälischen Rundschau, Anton Henze, trat an Werner Ruhnau heran und bat ihn, eine Idee für einen Theaterneubau zu entwickeln. Ruhnau, noch Angestellter der Landwirtschaftskammer, wurde vom damaligen Kammerdirektor, der ebenfalls eine moderne Theaterlösung wollte, für diese Aufgabe freigestellt und entwickelte seinen ersten Theaterbau.

Hier entstand das Prinzip, welches er sein Leben lang erfolgreich praktizierte: Nachdem er die Grundfigur, wie sie sich heute noch darstellt, entwickelt hatte, suchte er sich strategische „Mitspieler“. Zuerst Max von Hausen, anschließend Ortwin Rave, und zum Schluss, als der Entwurf weitestgehend stand, wurde Harald Deilmann zur Mitarbeit gewonnen. Deilmann verließ das Team noch vor Eröffnung des Theaters.

Der erste bundesrepublikanische Theaterneubau der Nachkriegszeit  wurde zwischen 1952 und 1956 realisiert. Der moderne Entwurf des jungen Architektenteams unter der Leitung von Werner Ruhnau gilt bis heute als Meilenstein der Architektur im Nachkriegsdeutschland.

Ausgangspunkt des Entwurfes ist die Ruine des Romberger Hofes, welche ein „Denkmal und lebendige Erinnerung an die Kriegszerstörungen“ darstellen soll und sowohl vom Innen- als auch vom Außenraum des neuen Theaters erlebbar ist. Ausgehend von der Straßenkreuzung Neubrückenstraße und Voßgasse entwickelt sich das Gebäudeensemble mit herauswachsendem, ellipsenförmigem Bühnenturm und Zuschauerraum mit der Topografie des Grundstücks. Die Besucher werden im transparent ausgebildeten Eingangsbereich empfangen und schreiten durch das gläserne Treppenhaus in das große Foyer. Daran angegliedert ist der Zuschauerraum mit 955 Sitzplätzen, dessen Beleuchtung über 1200 einzelne Leuchten in Form von „Montgolfièren“ erfolgt, die in der Lebendigkeit und Anzahl ihre einzigartige Wirkung entfalten.

Nach der ersten Realisation einer Zusammenarbeit mit einem bildenden Künstler beim Bau der Landwirtschaftskammer in Münster konnte Werner Ruhnau für das Theater Münster den Künstler Norbert Kricke gewinnen. Seine Raum-Zeit-Plastik, im Volksmund auch „Picassoblitz“ genannt, befindet sich außen über dem Eingangsbereich und empfängt die Theaterbesucher. Ähnlich elegant und lebendig wie Krickes Plastik ist die Konstruktion des Neubaus ausgeführt. Details wie die filigrane Spindeltreppe, schwebende Freitreppen und schlanke Rundstützen unter vorkragenden Dächern unterstreichen diesen spielerischen Charakter.

Noch während der Bauzeit wurde Ruhnau 1955 vom Dramaturgen Claus Bremer für das Thema „multifunktionale Spielräume“ sensibilisiert. Die gewünschten variablen Räume konnte Ruhnau 1959 im Kleinen Haus in Gelsenkirchen und später in zahlreichen Theaterbauten in Deutschland, so auch im Kleinen Haus in Münster im Jahr 1971, verwirklichen. Das bei seiner Fertigstellung als „befreiender Donnerschlag“ von überkommenen Traditionen architektonisch gefeierte Gebäude steht seit 1990 unter Denkmalschutz.

Ausstellung im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl (2020)

Im August 2020 wurde die Ausstellung „Die Spielstraße München 1972. Kunst als Kommentar zu den Olympischen Spielen. Eine Ausstellung aus dem Archiv Ruhnau“ im Skulpturenmuseum „Glaskasten“ in Marl eröffnet. Das Kooperationsprojekt der Kulturinstitution „Urbane Künste Ruhr“ und des Skulpturenmuseums „Glaskasten“ präsentierte bisher unveröffentlichtes Archiv- und Filmmaterial, aber auch künstlerische Artefakte einiger Attraktionen der Spielstraße und gestattete auf diese Weise einen Einblick in das prozessorientierte und partizipative Kulturereignis. Mit der Ausstellung in Marl wurde nicht nur die Frage nach der Definition des öffentlichen Raums, sondern auch nach alternativen Modellen der kulturellen Teilhabe und dem Verhältnis von Städtebau und sozialen Klima gestellt – wie Ruhnau es bereits 1972 mit der Konzeption der Spielstraße getan hatte. Diese Fragen haben bis heute an ihrer Aktualität nichts verloren und stellen sich dringender als je zuvor.

DAS FEST ALS SINNGEBENDES MITSPIEL

Ein Fest ist Spiel, bei dem die Teilnehmer Thema, Inhalt und Regeln selbst wählen und setzen. Im Fest erkenne ich das älteste Zusammenspiel der Künste: Architektur, Tanz, Theater, Musik, Malerei und Plastik kommen beim Fest als die auf die wahrnehmenden Sinnesorgane bezogenen klassischen Künste als Fest-architektur, -tanz , -musik, .-bild, -plastik usw. insgesamt und integriert ins „Spiel“. Jeder Lebensvorgang kann im Festspiel gestaltet werden. Musiktheater ist bezogen auf die Ganzheit der Wahrnehmung immer eine „Fest“-Inszenierung. Da das übliche Musiktheater jedoch auf Vorspiel von Akteuren und nicht auf Mitspiel zielt, geht die Inszenierung eines Festes insofern weiter, als dass es hier auch auf das Mitspiel aller Beteiligten ankommt. Die bestehenden Theaterbauten wie auch die Kirchen sind in aller Regel für das Vorspiel in Bühnenräumen gebaut und deswegen für das Mitspiel der Besucher nur bedingt geeignet: 

Sowohl Schauspieler als auch Priester agieren auf „Bühnen“, getrennt von den Besuchern. Dieses Vorspielen, „Zurschaustellen“ in besonderen Räumen gibt es bei den Nachbarkünsten auch, wie Museen für die bildenden Künste, Konzerthäuser für die Musik usw. 

Entsprechend dem Wunsch nach schwerpunktmäßig spezialisierter Zuwendung zur Musik (Hörsinn), zur Malerei (Sehsinn), zur Plastik (Tastsinn) und zum Tanz (Bewegungssinn) will das Bewusstsein von deren Zusammenhängen wach gehalten bleiben: Musik wirkt im und durch Raum, Tanz ist Bewegung im Raum, wird haptisch und visuell erlebt, Plastik spricht Tast- und Gesichtssinn an; alles hängt mit allem zusammen. 

Die Wiederbelebung des Festes, der Feier als Gesamtkunstwerk, als Zusammenspiel aller in Zeit und Raum scheint mir besonders geeignet zu sein, alte Wünsche nach szenischen Mitspielformen neu zu beleben. Unsere heutige Wirklichkeit sucht nach einer Stärkung der Kräfte persönlicher  Einsatzbereitschaft und Mitverantwortung. 

Im Fest entstehen Künste durch eigenes Tun und werden nicht von Religionsstiftern, Dichtern, Komponisten vorgegeben; im Fest gilt es, nicht mehr nur zuzuschauen, zuzuhören, sondern selbst gestalten und beteiligt sein. 

Geeignete Inhalte und Themen, die von den Beteiligten in Form gebracht werden können, sind kosmische Ereignisse wie Geburt, Tod, Bauen, Wohnen, Gang der Jahreszeiten. 

Werner Ruhnau, 1982

Wohnbebauungen

Werner Ruhnau realisierte verschiedene Wohnbebauungen wie die hier gezeigten Bungalows sowie die Wohnsiedlung in Velbert-Erlenweg. Ergänzt wird diese Bildergalerie demnächst durch die Umbauten der Bauernhöfe von Klaus-Peter Kienitz in Neukirchen-Vluyn, den „Kräuterhof“ von Karl Ludwig Schweisfurth in Herten, das Wohnhaus von Karl Ludwig Schweisfurth am Schloss Nymphenburg/Südliche Auffahrtsallee in München sowie die Wohnsiedlung Lechenich-Blessem.

Folkwangfest in Essen (1985)

Auf sinnbildliche Formulierungen hat Werner Ruhnau sein Leben lang großen Wert gelegt, was sich vielleicht am deutlichsten beim Folkwangfest in der Zeche Carl in Essen-Altenessen zeigte. Als Teil des Festivals der Künste und als Frühlingsfest rund um den Malakowtum geplant, feierte es am 15. März 1985 die Vielfalt und Einheit der Künste.

Zu den Beteiligten zählten Poeten, Musiker, Köche, Maler, Bildhauer, Tänzer und Architekten. Otto Piene, der bereits im Büro von Werner Ruhnau in Gelsenkirchen in der Huesemannstraße seine ersten Lichtballette aufgeführt hatte, zählte auch beim Folkwangfest in Essen zu den „Mitspielern“. Ruhnau entwickelte eine Dramaturgie der Provokation von Spielenden durch die Regeln und den Raum des Spiels. Das gesamte Fest war eine große Inszenierung mit festgelegtem Ablauf, bei der Besucher zu Künstlern und Künstler zu Besuchern wurden und so die Trennung zwischen Darsteller und Zuschauer aufgehoben wurde. Gemeinsam wurde musiziert, getanzt, geschmückt und gegessen. „Ein Fest der Sinne und des Unsinns“ hieß es in der Einladung. Die leerstehenden Industriebauten der ehemaligen Kohlenzeche wurden zu „Hallen des Volkes“ umgewandelt.

Das Festprogramm fand von 18 bis 23 Uhr statt. Die erste Station war die „Turnhalle“, in der die Gäste empfangen und der Festschmuck angelegt wurde. In der ehemaligen Waschkaue fand dann der erste Festtanz der Farbgruppen in Form einer choreografischen Sinngebung statt. Es folgten ein zweiter Festtanz auf knirschendem Sand, hartem Kies und weichem Heu in einer Halle und ein weiterer Tanz zwischen farbigen Leuchtstäben am Spiegelsee im Zechenhof. Ein Festessen mit Gruppensuppe an Künstlertischen mit Sinnbildern in der Maschinenhalle und ein weiterer Tanz am Spiegelsee schlossen sich an. Nach einem abschließenden Tanz auf den drei verschiedenen Untergründen wurde der Festschmuck in der Waschkaue wieder abgelegt.

homo Ludens, vom Ursprung der Kultur im Spiel, Johan Huizinga, 1938.

Ein grundlegendes Element unserer Kultur ist das Spiel. Der Mensch ist ein Spieler – und ohne seine Lust und Fähigkeit zum Spielen hätten sich ganze Bereiche seiner Kultur nicht entwickelt: die Dichtung, das Recht, die Wissenschaft, die bildende Kunst, die Philosophie und viele andere. Johan Huizinga, der große holländische Historiker und Kulturphilosoph, hat in diesem Buch eine Theorie der Kultur entworfen, in der er dem Denker (homo sapiens) und dem Tätigen (homo faber) den Menschen als Spieler (homo ludens) an die Seite stellt.

Nekropole in Kassel

Die im Kasseler Naturpark Habichtswald gelegene und von Harry Kramer gegründete Nekropole ist zugleich ein Künstlerfriedhof, eine Waldanlage und ein Kunstwerk im öffentlichen Raum. Der Ideengeber Kramer war Künstler, Tänzer und Professor für Bildhauerei an der Kasseler Kunstakademie.

Kramer verknüpfte die Kunst des 20. Jahrhunderts mit der Gartenarchitektur des naheliegenden Bergparks Wilhelmshöhe. Ausgewählte Künstler erhielten die Möglichkeit, ihr eigenes Grabmonument schon zu Lebzeiten anzulegen. Vorgesehen sind insgesamt 40 Grabmale, von denen bis heute neun realisiert wurden. U.a. gestalteten die documenta-Künstler Timm Ulrichs, Rune Mields und Heinrich Brummack ihr in die Landschaft integriertes Grabmal und planten die Inszenierung ihrer Todesfeier.

Auch Ruhnau war von der Idee überzeugt und konzipierte 1995 das Monument „Spielraum“: „Ich bitte, das Ende meines Lebensspiels auf dem mir von Harry Kramer geschenkten Spielort im Habichtswald schreitend und singend bei Wein und Brot zu begehen.“ 

Vorbild für Ruhnaus Monument war das Theater als Festspielplatz. Ruhnau wünschte sich, dass sein Grabmal als lebendiger Ort des Festes und Spieles auch über seinen Tod hinaus genutzt würde. Er hatte bereits das Abschiedsritual für seine eigene Beisetzung geplant, welches er seit dem Jahr 2004 jährlich zu seinem Geburtstag am 11. April gemeinsam mit Angehörigen und weiteren für die Beerdigung vorgesehenen Gästen einübte. Das Grabmal besteht aus einer von vier Eichenholz-Toren umrahmten Arena; die Tore symbolisieren sowohl das Eintreten in die Welt als auch das Austreten aus ihr. Das Grabmal ist ein Festspielplatz, der dem „kosmischen Spiel“ Raum bietet.

Ebertbad Oberhausen (1989) Zusammen mit den Architekten W. Grunauer und H. Saxe

Das Ebertbad in Oberhausen wurde 1894 als erste Volksbadeanstalt der Stadt errichtet. In den 1970er Jahren geschlossen, wurde das Gebäude 1986 unter Denkmalschutz gestellt. Ein Jahr zuvor hatte der Förderkreis „Ebertbad e. V.“ ein Nutzungskonzept vorgeschlagen, welches vorsah, das Bad als kulturelles Zentrum, als Spiel- und Erlebnisstätte, neu zu beleben. Unter der Federführung von Werner Ruhnau erfolgte schließlich der Umbau des Bades zu einem Kleinkunsttheater mit 420 Sitzplätzen auf 500 qm. Durch eine Empore konnten 150 qm zusätzlich gewonnen werden.

Das ehemalige Schwimmbecken wurde mit einem Bühnenboden überdeckt und an der tiefsten Stelle des Beckens eine Hebebühne installiert, die sowohl als Orchestergraben dienen als auch als Lager genutzt werden kann. Zugstangen in der Saaldecke, eine Scheinwerfergalerie und szenentechnische Einrichtungen ermöglichen einen Theaterbetrieb mit Studiocharakter.

Ruhnau gelang es auch hier, szenische Qualitäten durch einen variabel nutzbaren Raum zu erzeugen. Nur die an den Seitenwänden erhaltenen Messingschilder mit der Aufschrift „Schwimmen“ erinnern noch an die einstige Nutzung des Hauses als Badeanstalt.

Schauspielhaus Frankfurt

Beim Umbau des Schauspielhauses Frankfurt während der Jahre 1978 bis 1981 konnte Werner Ruhnau das von ihm entwickelte „Podienklavier“ realisieren. Den Auftrag dazu hatte Ruhnau direkt von der Stadt Frankfurt, auf Wunsch der damaligen Intendanten Wilfried Minks und Johannes Schaaf, erhalten.

Das Schauspielhaus bestand aus einem Guckkastentheater mit 900 Plätzen und einem kleinen Theater mit 500 Plätzen. Nach dem Umbau konnten mehr als 1000 Zuschauer auf einer variabel nutzbaren Bestuhlung Platz finden. Aufgrund der vorhandenen Betonstufen im Parkett war eine Umsetzung von Einzelpodien nicht möglich. Ruhnau entschied sich stattdessen, die mittels einer Scherenhubmechanik zu bedienenden Podien auf jeweils eine gesamte Sitzreihe zu setzen.

Festspielhaus Hellerau

Die Gartenstadt Hellerau wurde im Jahr 1909 vom deutschen Möbelfabrikanten Karl Schmidt im Stadtbezirk Klotzsche in Dresden gegründet. Schmidt errichtete zusammen mit dem Neubau für seine „Dresdner Werkstatt für Handkunstwerk“ eine Wohnsiedlung aus Kleinstwohnhäusern für seine Arbeiter. Hellerau war die erste Reformsiedlung Deutschlands.

Schmidt beauftragte für den städtebaulichen Entwurf den Architekten Richard Riemerschmied, das Festspielhaus der Siedlung wurde im Jahr 1911 nach den Entwürfen des Architekten Heinrich Tessenow erbaut. Dieser setzte dabei gemeinsam mit dem Bühnenbildner Adolphe Appia und dem Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze deren Visionen um. Der Bau war ein Gegenentwurf zu allen bisherigen Theatergebäuden. Es handelt sich dabei um ein achsensymmetrisches, schlichtes Gebäude, welches damals als Bildungsinstitut für Musik und Rhythmus genutzt wurde. Appia hatte Dalcroze dazu bewegen können, einen Raum zu erschaffen, der die Trennung zwischen Spielfläche und Zuschauerraum aufhebt und eine variable Spielfläche ermöglicht. Der Raum ist 35 m lang, 16 m breit und 12 m hoch. Der Saal enthielt einen versenkbaren Orchestergraben, über den bei Nichtgebrauch auch die mobilen Einbauten im Keller verstaut werden konnte. Statt einer klassischen Bühne konnten je nach Bedarf von Appia entworfene bewegliche Podesteinbauten und bewegliche Tribünenelemente installiert werden. Dieses System der sogenannten Praktikablen inspirierte Ruhnau grundlegend und wurde von ihm zu „Podienklavieren“ weiterentwickelt.

Ruhnau war Mitbegründer des Fördervereins, der nach der Wiedervereinigung Deutschlands entscheidend zum Erhalt und zur Wiederbelebung des Festspielhauses in Hellerau beitrug.

Werner Ruhnau begriff die Architektur in Anlehnung an den römischen Architekten Vitruv als „Mutter aller Künste“. Dessen im 1. Jahrhundert v. Chr. entstandenen „Zehn Bücher über Architektur“ und seine Vorstellung des umfassend gebildeten Architekten erlangten seit der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert hinein größere Verbreitung und haben methodisch u.a. Le Corbusier beeinflusst.
Ruhnau selbst verstand seine Rolle innerhalb des Bauprozesses als die eines Regisseurs, der nicht nur die unterschiedlichen Fachingenieure, sondern auch Künstlerinnen und Künstler integriert und auf diese Weise ein Gesamtkunstwerk im Sinne der „Baukunst“ erschafft. Die Idee der Einheit der Künste am Bau beschäftigte ihn seit seiner Studienzeit: „Bereits in der Antike gaben die Architekten die Risse vor, schufen die eigentliche Gestaltung und Ausformung aber gemeinschaftlich mit Malern und Bildhauern. Die Idee der Architektur als ‚Mutter der Künste‘ hat mich nie verlassen.“
Prägend war für die Entwicklung von Werner Ruhnaus Baukunst auch die Begegnung mit dem Dramaturgen Claus Bremer im Jahr 1955 auf der Theaterbaustelle in Münster. Von Bremer kamen nicht nur entscheidende Impulse hinsichtlich eines variablen Spielraums, sondern auch hinsichtlich der Integration der Kunst. Während Werner Ruhnau am Theater Münster mit der im Volksmund „Picassoblitz“ genannten Raum-Zeit-Plastik von Norbert Kricke noch „Kunst am Bau“ schuf, hat er in allen Folgeprojekten bildende Künstler als „Sonderfachleute für Ästhetik“ ebenso in den Bauprozess integriert wie die Sonderfachleute für Statik, Akustik oder Elektrotechnik: „Sonst wird die Kunst zur nachträglichen Dekoration, zur Kunst am Bau eben.“ Ruhnaus Idealvorstellung des Bauprozesses war die gemeinsame Gestaltung des Bauwerks, ohne die beteiligten unterschiedlichen Gewerke als Einzeldisziplinen zu betrachten.
Während des Theaterbaus in Gelsenkirchen verband er auch Leben und Arbeiten in Form einer „Bauhütte“, die rekurrierend auf die mittelalterlichen Modelle der Dombauhütte so bezeichnet wurde.
In zahlreichen Projekten gelang es ihm, nicht nur während des Entwurfs- und Bauprozesses, alle Beteiligten zusammenzubringen, sondern auch in den von ihm geschaffenen Räumen Gemeinschaft im Sinne spielerischer Partizipation zu erzeugen.